Rudi Besiak · Führung lernen

Was treibt dich an, wenn es eng wird?

Jeder hat ein paar Sätze im Kopf, die ihn weit gebracht haben:

Mach es ordentlich. Halt durch. Mach schnell. Gib alles. Sorg dafür, dass alle zufrieden sind.

Als Fachkraft waren sie dein Vorteil. Als Führungskraft können genau sie an einem vollen Tag das Steuer übernehmen – und dann führen sie, nicht du.

Die Psychologie nennt diese Sätze Antreiber. Fünf davon kommen immer wieder vor. Jeder hat alle fünf in sich, aber meist sind ein oder zwei besonders laut. Dieser Check zeigt dir, welche das bei dir sind, was sie dir geben und was du ihnen unter Druck entgegensetzen kannst.

Werte zeigen dir, wohin du willst. Antreiber zeigen dir, was dich unter Druck davon abbringt. Wer führt, sollte beides kennen.

So füllst du ihn aus
  1. Zwölf Szenen, etwa sechs Minuten. Jede Szene hat fünf mögliche Reaktionen.
  2. Tippe die Reaktion an, die du am ehesten zeigen würdest – nicht die, die du zeigen solltest.
  3. Passt eine zweite auch? Dann tippe sie zusätzlich an. Das ist freiwillig.
  4. Denk an einen vollen Tag, nicht an einen ruhigen. Antreiber zeigen sich unter Druck.
  5. Es gibt keine falschen Antworten. Jede Reaktion hat ihre Stärke, deshalb klingt keine schlecht.
  6. Nichts wird gespeichert. Dein Ergebnis siehst nur du.
Szene 1 von 12

Was würdest du am ehesten tun?

Deine Antreiber unter Druck

Dein Profil

Jeder hat alle fünf. Hier siehst du, welche bei dir unter Druck am lautesten sind.

Die übrigen Antreiber

Für jeden Antreiber gilt: Unter Druck kommt zurück, was du gewohnt bist. Wie du dafür vorbaust, zeigt die Einheit .

Drei Fragen zum Nachdenken

  1. Wann hast du deinen stärksten Antreiber zuletzt gespürt? An welchem Tag, in welchem Moment?
  2. Was hat er dir als Fachkraft gebracht – und was kostet er dein Team heute?
  3. Wo willst du deinen Erlauber-Satz diese Woche einmal bewusst einsetzen?

Zum Mitnehmen – markieren, kopieren oder abfotografieren:

Ehrlich gesagt: Das ist kein wissenschaftlicher Test, sondern ein Denkmodell zur Reflexion – ein Spiegel, keine Diagnose. Woher das Modell kommt und was dahinter belegt ist, steht im Kasten darunter.

Die Quellen dahinter – kurz und nachprüfbar

Der Check kommt ohne Namen und Jahreszahlen aus. Wer nachsehen will, findet hier, worauf er sich stützt.

  • Woher die fünf Antreiber kommen. Taibi Kahler, 1975, Transactional Analysis Journal: „Drivers: The Key to the Process of Scripts“. Das Modell stammt aus der Transaktionsanalyse und ist in Coaching und Training weit verbreitet. Wissenschaftlich ist es kaum geprüft – es ist ein Denkmodell, keine gemessene Persönlichkeitseigenschaft. Auch die Gegensätze, die Erlauber, gehen auf diese Tradition zurück.
  • Dass hoher Anspruch und Angst vor Fehlern zweierlei sind. Joachim Stoeber und Kathleen Otto, 2006, Personality and Social Psychology Review: Die Forschung zum Perfektionismus trennt das Streben nach hohen Maßstäben (eher günstig) von der Sorge, Fehler zu machen und nicht zu genügen (eher ungünstig). Andrew Hill und Thomas Curran, 2016, fassten Studien zu Perfektionismus und Erschöpfung zusammen: Vor allem die Sorge hängt mit Burnout zusammen.
  • Dass Fragen nicht schwach wirkt. Alison Wood Brooks, Francesca Gino und Maurice Schweitzer, 2015, Management Science: In mehreren Experimenten wurden Menschen, die um Rat baten, als kompetenter eingeschätzt als jene, die es nicht taten – vor allem bei schwierigen Aufgaben.
  • Dass unter Druck das Gewohnte gewinnt. Die Belege dazu stehen ausführlich in der Einheit „Unter Druck zählt, was sitzt“ aus dem Kurs „Führen im Alltag“.
  • Was dieser Check nicht ist. Die zwölf Szenen und alle Ergebnistexte sind eigene Formulierungen von Rudi Besiak – nicht geprüft und nicht geeicht. Die Erlauber-Sätze leiten sich aus seinen Kurseinheiten ab; belegt ist der Gedanke dahinter, nicht der einzelne Satz. Nimm das Ergebnis als Anstoß zum Nachdenken, nicht als Urteil über dich.